Keine automatische Kündigung bei Mietern mit Messie-Syndrom

Jinny Verdonck

18. Februar 2021

Was tun bei Mietern mit dem sogenannten Messie-Syndrom? Laut einem Urteil des Landgerichts Münster rechtfertige die Sammelsucht nicht automatisch eine Kündigung, sofern das Allgemeinwohl nicht konkret gefährdet oder beeinträchtigt wird.

Hintergrund zum Fall

Während Modernisierungsarbeiten kam ans Licht, dass eine Mieterin in einer Münster Wohnung Textilien, Altpapier und Erinnerungsstücke gehortet hatte. Daraufhin wurde sie von der Vermieterin abgemahnt und als dies nichts half, einige Monate später gekündigt. Da sie jedoch die Kündigung nicht akzeptierte, klagte die Vermieterin auf Räumung der Wohnung.

Ein Sachverständigengutachten ergab weder eine konkrete Gefährdung der Mietsache durch Unrat noch durch Schimmel oder Ungezieferbefall, doch für das Amtsgericht war diese Tatsache nebensächlich. Nach Auffassung der Amtsgericht-Richter falle der Wohnungszustand nicht unter die übliche Wohnungsnutzung. Dies stelle dadurch eine abstrakte Gefahr sowohl für die Mietsache als auch für die anderen Hausbewohner dar. Die Mieterin ging gegen dieses Urteil vor.

Das Urteil des Landgerichts Münster

Der Fall landete vor dem Landgericht Münster. Die Richter gaben der Mieterin Recht und begründeten dies zum einen damit, dass jeder Mieter seine Wohnung so bewohnen darf, wie er möchte, solange dadurch keine Beeinträchtigung der Rechte Dritter besteht. Zum anderen bezogen sich die Richter auch auf das Sachverständigengutachten, das bescheinigte, dass die Mietsache nicht gefährdet sei.

Laut dem Landgericht ist eine Kündigung nicht gerechtfertigt, wenn lediglich eine abstrakte Gefahr bestehe. Vermieter müssten akzeptieren, dass es bei jedem Mietverhältnis eine abstrakte Gefahr gäbe, dass das Mietobjekt beschädigt werden könnte.

Urteil des Landgerichts Münster vom 16.09.2020 / 01 S 53/20